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Reflexive Kompetenzentwicklung für pädagogische Fachkräfte im Elementarbereich

 

Projektbeschreibung

Die frühkindliche Sprachbildung ist die Basis erfolgreicher Bildungsbiografien und hat wesentlichen Einfluss sowohl auf eine gelingende soziale Integration als auch auf die persönliche Entfaltung. Ihrer Förderung bedarf jedes Kind, in besonderer Intensität jedoch Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien, aus Familien mit Migrationshintergrund und – vor dem Hintergrund einer eminent fragilen Ausgangssituation eine ungemein sensible Aufgabe – emotional oft schwer belastete Flüchtlingskinder.

Um jedoch als pädagogische Fachkraft Sprachkompetenz im Kita-Alltag kindgerecht vermitteln zu können, reicht zusätzliches Fachwissen allein nicht aus. Vielmehr bedarf es einer intensiven Schulung und Begleitung, in der die Fachkräfte reflexiv, alltags- und prozessorientiert lernen, als professionelle Sprachvorbilder zu handeln.

Dieses Anforderungsprofil greift das Projekt Sprachliche Bildung auf, das seit September 2014 als modulare Inhouse-Schulung in Offenbacher Kindertagesstätten und in enger Anknüpfung an das Bildungsverständnis des Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen (HBEP) entwickelt wurde und aktuell als Gemeinschaftsprojekt des Eigenbetriebs Kindertagestätten Offenbach und des Forums Sprache & Literacy der Phantastischen Bibliothek Wetzlar durchgeführt wird.

Ziel der Weiterbildung ist es, pädagogische Fachkräfte zu befähigen, natürliche Sprachlehr- und Sprachlernsituationen zu erkennen und aufzugreifen, um Kindern als „aktiven Lernern“ ein geeignetes Sprach- und Sprechangebot in zahlreichen Alltagssituationen machen zu können. Sprachbildung wird demgemäß nicht als additive bzw. isolierte Sprachschulung, sondern als in den beruflichen Alltag integrierte Querschnittsaufgabe des gesamten Kita-Teams verstanden, die nachhaltig in der Kindertagesstätte verankert werden muss. Ein zentraler Aspekt ist daher die Reflexion des eigenen Sprachverhaltens, der Nutzung und des aktiven Gebrauchs der sprachlichen Begleitung und Intervention. Ein zweiter Schwerpunkt der Weiterbildung ist daher die ko-konstruktive Entwicklung eines individuellen, am jeweiligen Bedarf der Einrichtung ausgerichteten Nachhaltigkeitsmodells, um so die professionelle Vermittlung von frühkindlicher Sprachkompetenz dauerhaft zu gewährleisten.

 

Angebot

bahlo1Die Weiterbildung Sprachliche Bildung richtet sich an Kindertagesstätten bzw. kommunale sowie freie Träger von Kindertagesstätten in Hessen, die frühkindliche Sprachbildung als Querschnittsaufgabe begreifen und nachhaltig, wirkungsvoll und professionell implementieren möchten. Detaillierte Informationen über Inhalt und modularen Aufbau der Weiterbildung sowie über verschiedene – aufdie Bedarfe vor Ort zugeschnittene – Angebotsformen (Grundmodell, Modulschulung, Blockfortbildung, Organisationsberatung etc.) vermittelt die Projektentwicklerin und Projektleiterin, Frau Karin Bahlo (eMail:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!), die auch zertifizierte Multiplikatorin des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans (HBEP) ist.

 

Hartmut-Vogel-Preis 2010

Der Hartmut-Vogel-Preis wurde in Weimar
an die Phantastische Bibliothek Wetzlar übergeben!

 

Foto (von links): Prof. Dr. Wilhelm Solms, Bettina Twrsnick, Thomas Le Blanc, Prof. Dr. Hans Wißkirchen

 

Alle zwei Jahre wird der aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gestiftete und mit 5.000 Euro dotierte »Hartmut-Vogel-Preis für Literaturvermittlung« an diejenige Institution vergeben, die sich durch langjährige, besonders herausragende literarische Vermittlungsarbeit ausgezeichnet hat. Gekürt wird die preistragende Institution vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten, dem Dachverband aller Literaturgesellschaften und Literaturhäuser Deutschlands. Die Auszeichnung wurde 2010 der Phantastischen Bibliothek Wetzlar zuerkannt.

 

Die Preisurkunde nahmen am Sonntag, dem 12. September 2010, die beiden Leiter der Phantastischen Bibliothek, Bettina Twrsnick und Thomas Le Blanc, im Goethe-Nationalmuseum in Weimar aus den Händen von Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Vorstandssprecher der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und gleichzeitig Präsident der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft (Lübeck), entgegen. Prof. Wißkirchen würdigte in Anwesenheit von rund 100 Vertretern literarischer Gesellschaften aus ganz Deutschland insbesondere die Tatsache, dass die Phantastische Bibliothek in den letzten 20 Jahren zu einem europaweit genutzten Kultur-, Wissenschafts- und Bildungszentrum ausgebaut wurde. Der Laudator Prof. Dr. Wilhelm Solms (Marburg) stellte in einem Rückblick die Aufbauhistorie der Phantastischen Bibliothek dar und erkannte lobend an, wie sehr diese einmalige Bibliothek das Ansehen von Phantastischer Literatur in Deutschland gehoben habe. In seiner Dankesrede hob Thomas Le Blanc besonders darauf ab, dass der Preis von Vertretern von Literaturgesellschaften, mithin »von Kolleginnen und Kollegen« zuerkannt worden sei, die aus eigener Erfahrung um die täglichen Anstrengungen in der literarischen Vermittlungsarbeit wissen, die aber auch die Freude kennen, die diese Arbeit bereite.

 

 

Gründung am 14. Februar 2006

Stiftung Phantastische Bibliothek Wetzlar gegründet

 

Am 14. Februar haben 19 Freunde der Phantastischen Bibliothek eine Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet, die künftig die Bibliothek tragen und weiterentwickeln wird.

Die im Jahre 1987 vom damaligen Wetzlarer Oberbürgermeister Walter Froneberg ins Leben gerufene Phantastische Bibliothek wurde zunächst als Abteilung der Stadtbibliothek Wetzlar geführt, aber bereits im Folgejahr aufgrund ihres raschen Wachs­tums und ihres großen Zuspruchs als eigenständige Abteilung der Stadtverwaltung unter Leitung der Diplom-Bibliothekarin Bettina Twrsnick geführt. Von Anfang an wurde die Bibliothek von einem Förderkreis begleitet, dessen langjähriger Vorsitzende der verstorbene Landtags­abgeordnete und Wetzlarer Stadtverordnete Wolfgang Kühle war und heute der Gießener Anglistik-Professor Raimund Borgmeier ist; zusätzlich wurde die Bibliothek von der von Thomas Le Blanc im Jahre 1992 errichteten Phantastik-Stiftung unterstützt. 1996 zog die Phantastische Bibliothek vom Domplatz in ihr heutiges Domizil am Friedrich-Ebert-Platz um.

Die Phantastische Bibliothek Wetzlar arbeitet als Wissenschaftliche Bibliothek mit öffentlichem Charakter und ist mit einem Buchbestand von knapp 150.000 Titeln die weltweit größte öffentlich zugängliche Bibliothek des Sammlungsgebiets Phantastische Literatur. In Deutschland ist sie die einzige Bibliothek mit diesem Sammlungsschwerpunkt, und sie verfügt über Raritäten, die nirgendwo sonst zu finden sind. Sie wird von Wissenschaftlern aus ganz Europa genutzt, ebenso von Schülern und Lehrern aus Hessen. Sie ist einerseits eine wissenschaftliche Einrichtung mit regelmäßigen mehrtägigen Kongressen, Doktorandenkolloquien, einer eigenen Publikationsreihe, Auftragsforschung und umfangreicher Beratungsarbeit, andererseits mit ihrer Abteilung »Zentrum für Literatur« eine Akademie für Lese-, Literatur- und Sprachförderung mit vom Hessischen Kultusministerium zertifizierten Fortbildungsangeboten für Lehrer, Erzieher und Eltern, in denen innovative Konzepte im Bereich Lesemotiva­tion und Literaturkompetenz entwickelt und gelehrt werden. Nach diesem Vorbild ist die »Akademie für Leseförderung« der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover gegrün­det worden, und an ihren Bildungskonzepten für leseschwache Kinder orientieren sich mittlerweile sogar Bibliotheken in Brasilien.

Da die Phantastische Bibliothek mit diesem umfangreichen Angebot sowohl Landesaufgaben erfüllt als auch die regionale Wirtschaft in Sponsorkonzepte einbindet, sind diese Bereiche in der Vergangenheit nicht über die Stadtverwaltung, sondern über den Förderkreis und die Phantastik-Stiftung abgewickelt worden. In den beiden vergangenen Jahren war die Bibliotheksleiterin die einzige städtische Angestellte, alle weiteren Mitarbeiter waren bei den beiden Mitträgern beschäftigt. Diese Konstruktion mit geteilter Verantwortlichkeit, die in den Anfängen der Bibliothek sinnvoll und praktisch war, führte zuletzt zu großen Synergieverlusten und Unklarheiten in der Verantwortung nach außen und zeigte sich für die gewachsene Bedeutung der Bibliothek als nicht mehr zeitgemäß. Vor drei Jahren wurde deshalb damit begonnen, eine neue Rechtsform für die Bibliothek zu finden und die bis­herige geteilte Trägerschaft in eine einheitliche zu überführen. Nach intensiven Verhandlungen zwischen den Freunden und Förderern der Bibliothek und der Stadt Wetzlar wurde ein Modell entwickelt, das die Übergabe der Bibliothek an einen neuen Träger vorsieht, dem die Stadt für die Erfüllung der Kernaufgaben den Finanzbetrag zuweist, den die Stadt in den vergangenen Jahren für diese Einrichtung getragen hat.

 

Als neuer Träger wurde am 14. Februar 2006 die Stiftung bürgerlichen Rechts mit dem Namen »Phantastische Bibliothek Wetzlar« errichtet. Dazu haben 19 Personen sowohl aus Wetzlar und Umgebung als auch aus ganz Deutschland aus ihrem privaten Vermögen Stiftungskapital eingebracht, so daß gemeinsam mit der bereits vorhandenen Stiftung ein Vermögen von 400.000 Euro zur Verfügung steht. In der Gründungsversammlung wurden Thomas Le Blanc und Bettina Twrsnick zum Vorstand der Stiftung bestimmt, der Aufsichtsrat besteht aus Wolfgang Hofmann (Vorsitzender), Elfriede Geier, Christiane Le Blanc-Schmidt, Falko Löffler und Wolfgang Thadewald. Alle Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sind zugleich auch Stifter.

Die neue Trägerstiftung wird in den nächsten Tagen mit der Stadt Wetzlar den am 7. Februar von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Fördervertrag unterzeichnen, außerdem in analogen vertraglichen Vereinbarungen vom Förderkreis und der Phantastik-Stiftung deren bisherige Wirkungsbereiche übernehmen. Alle Aufgaben der Phantastischen Bibliothek werden somit ab sofort aus einer Hand angeboten. Die Bibliothek hat damit die Chance, sich als Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturinstitution weiter zu profilieren und kundenorientiert ihre Angebote auszubauen. In der aktuellen Umbruchepoche von einer Produktions- zu einer Informationsgesellschaft stellt die Phantastische Bibliothek für Wetzlar, für die Lahn-Dill-Region und für Hessen einen nicht zu unterschätzenden harten Standortfaktor dar. Die neue Trägerschaft gibt der Bibliothek auch endlich die Möglichkeit, weitere angebotene Buchbestände zu übernehmen, den wissenschaftlichen Katalog aufzubauen, weitere Räumlichkeiten für den wachsenden Bestand und vor allem die immer stärker nachgefragten Fortbildungsangebote zu finden, das wissenschaftliche Personal zu erweitern und neue Angebote in den Bereichen Auftragsforschung und Bildung zu entwickeln.

Die Rechtsform der Stiftung ermöglicht es, zwar unternehmerisch zu denken, aber weiterhin gemeinnützige Ziele zu verfolgen. Die Stiftung Phantastische Bibliothek arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern wird weiterhin jedermann in seiner wissenschaftlichen Arbeit, in seinem kulturellen Interesse und in seiner persönlichen und beruflichen Fortbildung unterstützen. Der Zugang zu den Büchern wird unverändert kosten­frei sei. Auch ist die Stiftung offen für Zustifter und Partner, mit denen gemeinsam gearbeitet werden kann. An dieser Stiftung und vor allem ihrer hohen Dotierung zeigt sich ein großes bürgerschaftliches Engagement: hier haben Bürger dieser Stadt und auswärtige Freunde der Bibliothek nicht bloß mit ehrenamtlicher Arbeit, sondern mit der Einlage eigenen Vermögens gezeigt, daß sie den Fortbestand einer wichtigen Einrichtung sichern wollen. Insoweit möchte die Stiftung auch Anregung und Vorbild für ähnliche Initiativen sein.

Die auf der Gründungsversammlung anwesenden 15 von 19 Stifter (von links nach rechts): Thomas Le Blanc, Gerd Braun, Bettina Twrsnick, Christiane Le Blanc-Schmidt, Elfriede Geier, Detlef Hohendahl, Wolfgang Hofmann, Falko Löffler, Wolfgang Thadewald, Jürgen Keiner, Ingeborg Keiner, Edmund Wild, Johannes Rüster, Prof. Peter von Möllendorff, Maren Bonacker. Es fehlen: Hartmut Bäumer, Waldemar Kumming, Dr. Susanne Päch-Franke, Thomas Schlück. Foto

 

Zusätzliche Informationen